
Am Freitag, dem 1. Februar 2025, ereigneten sich in Berlin zwei rechtsextreme Angriffe innerhalb weniger Stunden, die die besorgniserregende Zunahme solcher Vorfälle in der deutschen Hauptstadt verdeutlichen. Laut den Berichten des Tagesspiegel kam es zunächst am Nachmittag gegen 17:30 Uhr an der S-Bahn-Station Ostkreuz zu einem Angriff. Ein 22-jähriger Mann wurde von zwei unbekannten Jugendlichen aufgefordert, einen antirassistischen Aufkleber von seinem Rucksack zu entfernen. Als das Opfer sich weigerte, wurde er bedroht und körperlich angegangen. Die Angreifer zeigten anschließend am Bahnhof Landsberger Allee den Hitlergruß, bevor sie flohen. Glücklicherweise blieb der Mann körperlich unverletzt.
Der zweite Vorfall ereignete sich gegen 22:30 Uhr in der U-Bahn der Linie U2 an der Station Klosterstraße. Hier wurde ein 25-jähriger Kanadier mit asiatischen Wurzeln von zwei vermummten Männern attackiert. Die Täter skandierten verfassungsfeindliche und rassistische Parolen und traten dem Mann in den Bauch. Als er versuchte, den Waggon zu wechseln, folgten sie ihm und schlugen ihn ins Gesicht. Zwei mutige Zeuginnen intervenierten, was dazu führte, dass die Angreifer schließlich flohen. Der 25-Jährige erlitt Kopfverletzungen, die er jedoch nicht behandeln ließ. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen in beiden Fällen aufgenommen.
Kontext der rechtsextremen Gewalt in Deutschland
Die Vorfälle in Berlin sind Teil eines besorgniserregenden Trends politisch motivierter Kriminalität in Deutschland, insbesondere in Bezug auf rechtsextreme Gewalt. Laut DW werden ausländische Personen, Juden, Muslime sowie politische Gegner häufig Ziel solcher Angriffe. Seit 1990 wurden nach offiziellen Angaben mindestens 113 Todesopfer rechtsextremer Gewalt registriert, während Organisationen wie die Amadeu Antonio Stiftung von mindestens 219 Todesopfern ausgehen. Die Dunkelziffer könnte noch höher sein, da die Behörden immer wieder kritisiert werden, dass viele Taten nicht als politische Gewalt eingestuft werden.
Besonders hervorzuheben sind einige der gravierendsten Vorfälle der letzten Jahre. Dazu zählen die rassistisch motivierten Anschläge in Hanau im Februar 2020, bei denen neun Menschen starben, und das gescheiterte Attentat auf eine Synagoge in Halle im Oktober 2019. Diese Vorfälle verdeutlichen die anhaltende Bedrohung durch rechtsextreme Gruppierungen und Einzelpersonen.
Statistische Entwicklungen
Der Anstieg rechtsextremer Übergriffe ist alarmierend. Daten beschreiben, dass im Jahr 2016 alle 22 Minuten ein Fall politisch motivierter Kriminalität – rechts (PMK-rechts) registriert wurde. In diesem Jahr wurden insgesamt 23.555 Delikte verzeichnet, was einem Anstieg von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Gewaltkriminalität erreichte 2016 mit 1.698 Fällen einen Höchststand, obwohl die Zahlen in den Folgejahren sanken, jedoch weiterhin über den Werten aus den Jahren 2014 und 2015 blieben, wie bpb anführt.
Diese Statistiken werfen ein Licht auf die wachsende Besorgnis über die rechtsextreme Gewalt in Deutschland, die weithin als ernsthafte Bedrohung für gesellschaftliche Vielfalt und Sicherheit angesehen wird. Es bleibt zu hoffen, dass durch gezielte Ermittlungen und gesellschaftliches Engagement die Welle der Gewalt gestoppt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden können.