
Ein spektakulärer Fall läuft derzeit vor dem Frankfurter Landgericht: Sechs Männer, die im Verdacht stehen, Teil einer internationalen Geldautomatensprengbande zu sein, müssen sich wegen attempted murder – also versuchten Mordes – sowie weiterer schwerer Delikte verantworten. Die Angeklagten, allesamt marokkanischer Herkunft und zwischen 27 und 33 Jahren alt, sind laut der Anklage in mehrere Sprengungen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verwickelt. Damit ist dies der erste Prozess in Deutschland, bei dem Geldautomaten-Sprenger aufgrund versuchten Mordes angeklagt werden, wie die FAZ berichtete.
Die Polizei hat die Bande bereits mehrfach auf der Flucht beobachtet. Im Mai letzten Jahres kam es in Bad Homburg zu einem dramatischen Vorfall, als die Täter mit einem stark getunten Audi S8 bei 150 km/h durch eine Fußgängerzone rasten und eine Polizeischranke durchbrachen. Durch einen „Stop-Stick“ konnten die Polizei den Fluchtwagen endlich stoppen, und die Verhaftungen folgten schnell. Angesichts der massiven Zerstörung ihrer Sprengungen, die einen Schaden von über 2,5 Millionen Euro verursachten, und der dabei gefährdeten Zivilisten, sehen die Staatsanwälte keinen Zweifel an der skrupellosen Vorgehensweise der Täter. Besonders brisant ist die Tatsache, dass bei mehreren Explosionen Passanten in unmittelbarer Nähe waren, wie die Welt berichtete.
Eine Serie von Verbrechen
Zwei Sprengungen, die den Mordverdacht begründeten, passierten in Bad Homburg und Frankfurt, wo die Täter das Leben unbeteiligter Zivilisten billigend in Kauf nahmen. In den nächsten Verhandlungstagen wollen sich fast alle Angeklagten zu den Vorwürfen äußern, während einer von ihnen sich entschieden hat, ohne Aussage zu verweilen. Der Vorsitzende Richter, Jörn Immerschmitt, warnte bereits: „Ein Geständnis könnte sich positiv auf die Strafhöhe auswirken.“ Für die Angeklagten könnte ein Strafmaß von drei bis 15 Jahren in Aussicht stehen, sollte die Anklage bestehen bleiben. Ein weiteres Signal zugleich, dass die deutsche Justiz hart gegen die organisierte Kriminalität vorgeht und Fälle dieser Art konsequent verfolgt.