
Die Stadt Greifswald hat entschieden, künftig nicht den Zusatz „Caspar David Friedrich-Stadt“ zu tragen. In einer Sitzung der Bürgerschaft wurde ein entsprechender Antrag der Grünen mit knapper Mehrheit abgelehnt. Die Gründe für diese Entscheidung lagen vor allem in Kostengründen und dem Vorhandensein bereits existierender Beinamen für Greifswald. Die Bürgerschaft machte zudem deutlich, dass der Name Caspar David Friedrich zwar eine wichtige Rolle in der Stadtgeschichte spielt, jedoch nicht zwingend in den Stadtnamen integriert werden muss, wie die Borkener Zeitung berichtet.
Camille Damm, die Fraktionschefin der Grünen, betonte die Möglichkeit, die Bekanntheit des berühmten Malers durch einen solchen Beinamen weiter zu fördern. Dieses argumentierte sie mit dem Hintergrund des erfolgreichen Friedrich-Jahres 2024, in dem zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen zu seinem 250. Geburtstag in Greifswald stattfanden. Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) wies darauf hin, dass die Stadt in diesem Jahr etwa 500.000 zusätzliche Besucher verzeichnen konnte. Besonders beeindruckend war der Ansturm auf das Pommersche Landesmuseum, wo die Präsentation des Kreidefelsen-Gemäldes allein 45.000 Besucher anzog.
Die Bedeutung von Caspar David Friedrich
Caspar David Friedrich, am 5. September 1774 in Greifswald geboren, gilt als einer der einflussreichsten Maler der deutschen Romantik. Er wird nicht nur für seine bedeutenden Werke, wie „Wanderer über dem Nebelmeer“ oder „Der Mönch am Meer“, geschätzt, sondern auch für seine tiefen emotionale Ausdrucksweise in der Malerei. Seine Arbeiten sind stark vom Naturstudium geprägt und zeichnen sich durch ein breites Farbspektrum sowie eine sorgfältige Komposition aus, die Licht und Schatten wirkungsvoll nutzt. Die Webseite von Hans-Joachim Kühn hebt hervor, dass Friedrich auch ein Wegbereiter der Moderne in der Malerei ist.
Friedrich wuchs in einer großen Familie auf und pflegte zeitlebens enge Verbindungen zu Greifswald. Er verbrachte viele Jahre mit Wanderungen in der umliegenden Landschaft, die nicht nur seiner Inspiration dienten, sondern auch seinen künstlerischen Ausdruck prägten. Die Verbindung von Mensch und Natur steht im Zentrum seines Schaffens. Auch seine symbolistische Darstellung von spezifischen Elementen der Natur, wie Bäume und Berge, ist bemerkenswert und spiegelt seine Philosophie wider.
Politische Auseinandersetzungen in der Bürgerschaft
In der letzten Sitzung der Bürgerschaft gab es zudem eine kontroverse Diskussion um die Bürgerin Christiane Kiesow von der Linken. Ein Resolutionsantrag, der ihr die Mitwirkung in Stadtgremien untersagen sollte, wurde abgelehnt. Kiesow hatte im Januar für Aufsehen gesorgt, als sie mit einem Schaumtorten-Wurf auf den FDP-Parteichef Christian Lindner in der Öffentlichkeit stand. Nach diesem Vorfall sah sich Kiesow jedoch einer Welle der Kritik gegenüber und gab schließlich ihre Funktion als sachkundige Bürgerin im Bauausschuss auf. Diese Entwicklungen werfen ein Licht auf die turbulente politische Atmosphäre in der Greifswalder Bürgerschaft, wo der Fraktionsvorsitzende Hennis Herbst klarstellte, dass jede Fraktion das Recht habe, ihre Mitglieder in die Gremien zu entsenden.
Greifswald bleibt auch ohne den Zusatz im Namen eng mit Caspar David Friedrich verbunden, dessen künstlerisches Erbe weiterhin einen bedeutenden Einfluss auf die Stadt und ihre Kultur ausübt.