
Die drohende Ausbreitung der synthetischen Droge Fentanyl in Frankfurt alarmiert die Behörden und Gesundheitsexperten. Dieses hochpotente Opioid, das in den USA in den letzten Jahren zu einem verheerenden Anstieg von Drogentoten geführt hat, findet nun auch im Frankfurter Bahnhofsviertel Verbreitung. Obgleich die Fallzahlen in Frankfurt aktuell noch niedrig sind, zeichnen einige Entwicklungen ein besorgniserregendes Bild.
Fentanyl ist bis zu 100-mal stärker als Morphin und 50-mal stärker als Heroin. Mit den erschreckenden Zahlen von etwa 75.000 Toten durch Fentanyl im Jahr 2023 in den USA im Hinterkopf, ruft die Stadt Frankfurt ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Drogensituation auf den Plan. Laut einem Bericht von fr.de wurden im Januar 2025 in rund 52 Prozent der getesteten Heroinverpackungen, die im Bahnhofsviertel untersucht wurden, Fentanyl-Rückstände nachgewiesen. Von 48 getesteten Proben waren 25 positiv, was die Besorgnis über eine mögliche Gesundheitskrise weiter verstärkt.
Erster Überblick über die Situation
Stefan Müller, Präsident des Frankfurter Polizeipräsidiums, betont, dass die Zustände in Frankfurt nicht mit den extremen Verhältnissen in den USA vergleichbar sind, dennoch gibt es erheblichen Grund zur Alarmierung. Das Angebot an Heroin hat in Europa durch den Rückgang des Schlafmohnanbaus in Afghanistan abgenommen, was die Polizei für die steigende Beimischung von Fentanyl verantwortlich macht. In diesem Kontext ist auch das hessenschau.de zu entnehmen, dass in den Drogenkonsumräumen Frankfurts das verunreinigte Heroin unter Klienten konsumiert wurde, ohne dass bisher Überdosierungen aufgetreten sind.
Dennoch, die Gefahr, die von Fentanyl ausgeht, ist nicht zu unterschätzen. Kleinste Mengen können bereits fatale Auswirkungen haben und zu Atemstillständen führen. Für 2023 wurden in den USA über 107.000 Drogentote gezählt, wovon mehr als 70 Prozent durch Opioid-Überdosen verursacht wurden. Solche Statistiken sind auch für die Frankfurter Beamten ein Anlass zur Sorge. Das Bundeskriminalamt berichtet von einem Rückgang des Heroinangebots in Europa, was die bestehende Situation zusätzlich kompliziert.
Maßnahmen und Reaktionen
Um dem wachsenden Problem entgegenzuwirken, plant die Stadt Frankfurt gezielte Großkontrollen und Festnahmeaktionen gegen Drogenhändler im Bahnhofsviertel. Gesundheitsdezernentin Elke Voitl fordert darüber hinaus die Einführung von Drug-Checking-Programmen. Diese sollen Konsumenten ermöglichen, sich über den genauen Fentanyl-Gehalt in ihrem Straßenheroin zu informieren.
Aktuell wartet man in Hessen auf die Ausführungsverordnung zur Umsetzung des Drug-Checking-Gesetzes, was in der Stadt mehr Klarheit und Hilfe für Drogenabhängige bringen könnte. Es besteht auch ein dringender Appell an Heroinabhängige, nur in integrierten Drogenhilfen oder nicht allein zu konsumieren. Der Grüne Politiker Marcus Bocklet übt im hessischen Landtag Kritik an der Union und deren Verantwortung in der Drogenkriminalität im Bahnhofsviertel.
Zusätzlich wird die Bereitstellung von Naloxon, einem lebensrettenden Nasenspray bei Überdosierungen, gefordert, um die Sicherheit der Konsumenten zu erhöhen. In über 30 Jahren der Drogenkonsumräume in Frankfurt gab es bislang keinen Todesfall durch Überdosis.
Die Entwicklung des Drogenmarktes in Frankfurt zeigt zudem Veränderungen, unter anderem den Anstieg von Crack und das Auftauchen von Lachgas. Um der Dynamik in der drogenpolitischen Situation zu begegnen, plant die Stadt die Errichtung eines neuen Suchthilfezentrums. Das Ziel ist, schneller auf Veränderungen auf dem Drogenmarkt reagieren zu können und somit die Drogenkriminalität und deren Folgen besser zu kontrollieren.