
Die Wohnungsnot in Deutschland hat sich in den letzten Jahren zu einem drängenden Problem entwickelt, das nicht nur die Lebensqualität vieler Menschen bedroht, sondern auch die politische Agenda dominiert. DIW-Chef Marcel Fratzscher fordert, dass zur Stärkung der deutschen Wirtschaft jährlich 400.000 Migranten ins Land kommen sollten. Er hebt die Dringlichkeit hervor, mindestens 1,6 Millionen ausländische Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auch eine Bertelsmann-Studie betont die Schlüsselrolle von Migration für den Erhalt des Wohlstands in Deutschland, während sich der Wahlkampf zunehmend um dieses Thema dreht und die Diskussion über die Wirtschaftskrise teilweise in den Hintergrund drängt.
Die akute Wohnungsnot wird als bedeutendes Problem identifiziert, das zu steigenden Lebenshaltungskosten führt. Der Deutsche Mieterbund warnt, dass jeder dritte Mieterhaushalt mit Wohnkosten überfordert ist. In großen Städten wie Berlin, Leipzig, München und Hamburg sind die Mieten zwischen 2022 und 2024 erheblich gestiegen. Über 50% der 84 Millionen Einwohner in Deutschland leben zur Miete, was den höchsten Wert in der EU darstellt. Als besonders besorgniserregend wird die Nettozuwanderung von 1,46 Millionen Personen im Jahr 2022 gewertet, viele davon infolge des Ukraine-Konflikts.
Entwicklung des Wohnungsmarktes
Aktuell fehlen in Deutschland bis zu 800.000 Wohnungen. Die Anzahl der Baugenehmigungen für Neubauten ist im Jahr 2023 um 26,6% auf 260.100 gesunken, was den niedrigsten Wert seit 2012 darstellt. Der Abwärtstrend bei Baugenehmigungen hält auch 2024 an, und das ifo Institut prognostiziert, dass die negative Entwicklung bestehen bleibt. Als Hauptursache der Krisensituation wird ein Mangel an Investitionen im Wohnungsbau identifiziert, der durch höhere Zinsen und steigende Inflation weiter angeheizt wird.
Interesse an bezahlbarem Wohnraum bleibt im Wahlkampf oft unberücksichtigt. Axel Gedaschko, Präsident des GdW, kritisiert, dass viele Parteiprogramme sich mehr auf schärfere Mietregeln konzentrieren, anstatt den Wohnraummangel selbst anzugehen. Die Grüne Partei fordert zwar sozialen Wohnungsbau, legt jedoch den Schwerpunkt auf Mietpreiskontrollen. Zudem erschweren die Effizienzstandards des neuen Gebäudeenergiegesetzes (GEG) den Wohnungsbau weiter.
Herausforderungen für Migranten
Wohnen ist ein Grundbedürfnis und eine entscheidende Voraussetzung für die Integration, jedoch stehen Menschen mit Migrationshintergrund besonderen Herausforderungen gegenüber. Oft leben sie in beengten Verhältnissen, was während der Corona-Pandemie das Homeschooling und Homeoffice erheblich erschwerte. Statistiken zeigen, dass rund 20% der Migranten in überbelegten Wohnungen leben, während diese Rate bei Menschen ohne Migrationshintergrund nur bei 7% liegt. Die Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt führt dazu, dass Migranten oft höhere Mieten zahlen und weniger Wohnraum zugewiesen bekommen.
Jede dritte Person mit Migrationshintergrund berichtet von Diskriminierung bei der Wohnungssuche, wobei die Erfahrungen vor allem unter schwarzen Menschen muslimischen Glaubens stark ausgeprägt sind. Die Diskriminierung ist nicht nur unmittelbar, sondern auch durch Strukturen wie das Baugesetzbuch gegeben, das bestimmte Haushalte zum Erhalt stabiler Nachbarschaften ausschließt. Es wird geschätzt, dass der Bestand an preisgebundenen Wohnungen in Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als halbiert wurde, was das Problem weiter verschärft.
Die Notwendigkeit von Veränderung
Um die Wohnungsnot und die damit verbundenen Schwierigkeiten für Migranten zu bekämpfen, sind sofortige Maßnahmen notwendig. Experten fordern den Abbau bürokratischer Hürden, steuerliche Erleichterungen sowie Investitionen in den sozialen Wohnungsbau. Die gesellschaftliche Herausforderung bleibt jedoch, die bestehende Diskriminierung zu bekämpfen und die Sicht auf Wohnungsfragen auch aus einer migrationsbezogenen Perspektive zu betrachten. Stabilität eines Quartiers sollte nicht länger ausschließlich von ethnischen Konstellationen abhängen, sondern von effektiven Kommunikations- und Beteiligungsstrukturen.
Die Herausforderungen für Menschen mit Migrationshintergrund sind bemerkenswert vielschichtig und tief in sozialen und ökonomischen Strukturen verankert. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, bedarf es umfassender Reformen und Investitionen, die über die bloße Bereitstellung von Wohnraum hinausgehen. Nur durch gezielte Maßnahmen kann ein Teilhabegefühl aller gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland gefördert werden.