
Am 26. Januar 2025 hebt das Staatstheater Cottbus den Vorhang für die „Mannheimer Fassung“ von Alexander Zemlinskys Oper „Kleider machen Leute“. Intendant Stephan Märki verantwortet die Inszenierung dieser bemerkenswerten Aufführung, die sich intensiver mit Gottfried Kellers gleichnamiger Novelle auseinandersetzt. Die Premiere wurde mit großer Vorfreude erwartet, da diese Fassung näher an der Wiener Erstfassung von 1910 ist. Ursprünglich sollte sie dort uraufgeführt werden, doch der Erste Weltkrieg verhinderte die Premiere.
Die Arbeit an der Rekonstruktion von 154 durchgestrichenen Seiten für geplante Änderungen wurde von Antony Beaumont geleistet. Angeführt von GMD Alexander Merzyn, bringt das Philharmonische Orchester die musikalischen Elemente der Oper zum Leben. Zemlinsky, der 1871 in Wien geboren wurde, gilt als Meister des Spätromantizismus, dessen Musik das Fin de Siècle widerspiegelt und die Entwicklung hin zur Moderne ebnete.
Gesellschaftliche Themen und Inszenierung
Die Handlung von „Kleider machen Leute“ spielt in der Schweiz und erforscht die Themen Krähwinkeleien, Selbst- und Außenwahrnehmung. Die Hauptfigur, Wenzel Strapinski, dargestellt von Paul Schweinester, erscheint als polnischer Graf und fungiert als Projektionsfläche für die Sehnsüchte sowie den Neid der Goldacher Bürger. Dies zieht die Diskrepanz zwischen persönlichen Träumen und gesellschaftlichen Erwartungen in den Fokus.
Anne Martha Schuitemaker, die die weibliche Hauptrolle spielt, wechselt eindrucksvoll zwischen leichten und großen lyrischen Gesangspartien und verstärkt die emotionalen Konflikte der Charaktere. Das Ensemble zeigt eine geballte Leistung, unterstützt durch eine choreographische Präzisierung unter Leitung von Chris Comtesse. Bühnenbild designer Silvia Merlo und Ulf Stengl nutzen animierte Skizzen, um visuelle Akzente zu setzen. Die inszenierte Welt ist oft in Dunkelheit gehüllt, mit einem eindrucksvollen Wolkenmeer und einem Gedenk-Obelisk als zentrale Elemente.
Besondere Aspekte der Aufführung
Besonderen Wert legt die Inszenierung auf kostümliche Details. Elina Schnizler hat die Chordamen und Episodenfiguren in modische Ikonen der 1960er Jahre verwandelt, was nicht nur die Charaktere, sondern auch die Zeit Stimmung reflektiert. Diese Darstellung schärft das Bewusstsein für die Themen bürgerlicher Enge und Künstlerschicksal, die in der Oper behandelt werden.
Für Theaterbesucher werden 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn Einführungen im 2. Rang Foyer angeboten. Zudem ist die Inszenierung barrierefrei, eine Hörschleife ist vorhanden und die Rollstuhlgerechtheit ist sichergestellt, vorausgesetzt, die nötige Anmeldung erfolgt im Voraus.
Insgesamt wird die Aufführung als besonders lohnenswert angepriesen, vor allem durch ihre musikalische Darbietung, die sowohl Charme als auch psychologisches Einfühlungsvermögen bietet. Alexander Zemlinsky hinterlässt mit seiner Arbeit einen bleibenden Eindruck und hebt die menschlichen Konflikte des Lebens auf eindringliche Weise hervor. So wird diese Inszenierung ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes und ein Muss für jeden Opernliebhaber.