
In Berlin, wo Hunderte von Cafés Einheimische sowie Touristen anziehen, sticht das Café Achteck hervor. Es handelt sich dabei nicht um ein traditionelles Café, sondern um ein öffentliches Pissoir für Männer, das als Teil der sanitären Infrastruktur der Stadt konzipiert wurde. Jonny Whitlam, ein Engländer und Reiseführer, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, bietet private Touren und Audiotouren an. Dabei widmet er sich auch dem Café Achteck, das von Stadtbaurat Carl Theodor Rospatt im Jahr 1878 entworfen wurde, um die sanitary Krise in Berlin im 19. Jahrhundert zu lösen.
Ursprünglich gab es in Berlin rund 140 solcher Cafés. Heute existieren noch mehr als 30, verteilt auf zahlreiche Standorte, darunter Chamissoplatz, Gendarmenmarkt, Rüdesheimer Platz und U-Bahnhof Senefelderplatz. Die vorhandenen Café Achteck sind aus sieben grün lackierten gusseisernen Wandsegmenten konstruiert, die einen achteckigen Grundriss bilden. Der fehlende achte Wand dient als Eingang und wird durch einen Paravent aus mindestens drei Segmenten verborgen. Diese Konstruktion war nicht nur funktional, sondern sollte den Nutzern auch einen gewissen Sichtschutz bieten.
Ein Stück Berliner Geschichte
Die Geschichte der öffentlichen Bedürfnisanstalten in Berlin reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Bereits 1737 wurde eine der ersten „Bedürfnisanstalten“ unter einem Portal am Stadtschloss errichtet. Die hygienischen Bedingungen führten dazu, dass die Berliner Bevölkerung den Bau von öffentlichen Toiletten forderte. Unter Polizeipräsident Karl Ludwig Hinkeldey wurden im 19. Jahrhundert zahlreiche Toilettenhäuser errichtet, darunter die bekannten Madai-Tempel, die ebenfalls einen achteckigen Grundriss hatten.
Mit der Einführung der Cafés Achteck zogen private Unternehmen nach, die auch „Vollanstalten“ für Männer und Frauen errichteten. Der Prototyp von Rospatt blieb jedoch der bekannteste und wurde auch in anderen Städten gebaut. In den 1920er Jahren entwickelte sich das Café Achteck zudem zu einem diskreten Treffpunkt für schwule Männer, was seinen kulturellen Stellenwert weiter erhöhte.
Ein Erlebnis der besonderen Art
In einem Video zeigt Jonny Whitlam die Innenansicht des Cafés und beschreibt die Erfahrung, von Urin umgeben zu sein, was für manche Kommentatoren eine spannende Anekdote darstellt. Bedeutende Vergleiche mit Orten wie dem Berghain wurden in den Kommentaren gezogen, wobei einige Nutzer sogar den Wunsch äußerten, ähnliche Cafés für Frauen zu schaffen.
Still an der öffentlichen Toilettenlandschaft Berlins, haben einige Cafés Achteck über die Jahre hinweg nicht nur überlebt, sondern sich zum kulturellen Symbol der Stadt etabliert. Diese Toilettenhäuser sind heute ein wichtiger Teil der Geschichte und des Stadtbildes, auch wenn sie im Laufe der Zeit einige Veränderungen durchlaufen haben.
Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist, dass das Café Achteck in einem Fernsehfilm von 2019 als „Denkmalhygiene“ bezeichnet wurde, was auf die Bemühungen hinweist, diese historischen Stätten zu erhalten und deren Bedeutung für die Stadt zu würdigen.
Insgesamt bleibt das Café Achteck nicht nur ein praktisches Bedürfnis, sondern auch ein faszinierendes Beispiel für Berlins reichhaltige Geschichte im Bereich der öffentlichen Toiletten.