
Die Stadt Schwerin hat in ihrer Geschichte eine prägende Verbindung zum jüdischen Leben erlebt. Bereits 1266 wird jüdisches Leben in Mecklenburg erwähnt, als erste urkundliche Nachweise jüdischer Händler in Schwerin 1324 datiert sind. Diese frühe Integration jedoch wurde im Jahr 1492 abrupt unterbrochen, als nach der Judenverbrennung für zwei Jahrhunderte kein jüdisches Leben mehr in Schwerin existierte. Erst ab 1671 kehrten Juden in die Stadt zurück und begannen, sich erneut im Handel und anderen Berufen zu etablieren.
Ein neuer Stadtrundgang, der von der Stiftung Mecklenburg organisiert wird, zielt darauf ab, das jüdische Erbe Schwerins zu beleuchten. Der Rundgang beginnt am 16. April 2025 um 15 Uhr am Schlachtermarkt und stellt die jüdischen Kaufmannsfamilien und deren Einfluss in den Bereichen Textil-, Tabak- und Getreidehandel vor. Besondere Thematisierung findet auch in Bezug auf die Verfolgung während des Nationalsozialismus statt, die eine dunkle Phase der Geschichte für die jüdische Gemeinde darstellt.
Historische Hintergründe und Verfolgung
In den Jahren nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sank die Zahl der jüdischen Bewohner von etwa 300 im Jahr 1932 auf nur noch 71 im Jahr 1936. Die Novemberpogrome 1938 führten zur Zerstörung der Synagoge und jüdischer Geschäfte. Die letzte Deportation der Schweriner Juden nach Auschwitz fand am 10. Juli 1942 statt. Nach dem Krieg war der Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in Schwerin eine große Herausforderung. 1946 wurde die Jüdische Landesgemeinde Mecklenburg neu belebt, während sich die Mitgliederzahl von 8 im Jahr 1989 auf über 1000 im Jahr 2002 erhöhte, bevor sie bis 2020 auf etwa 650 sank.
Die jüdische Gemeinde hat heute etwa 650 aktive Mitglieder und befasst sich intensiv mit ihrer Geschichte und der Erinnerung an die Verfolgung. Ein neugegründeter Gedenkstein an der Stelle der alten Synagoge erinnert an das, was verloren ging.
Der neue Stadtrundgang
Der Rundgang über „Jüdisches Leben in der Schweriner Geschichte“ wurde von Kerstin Eichhorst und Peter Scherrer konzipiert und dauert etwa 70 Minuten. Er kostet 7 Euro und ist eine wertvolle Gelegenheit, mehr über das jüdische Leben in Schwerin zu erfahren, vom historischen Aufbau bis zur modernen Gemeinde, die durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion ab 1990 neue Impulse erhielt. Anmeldungen sind erforderlich und können per E-Mail an [email protected] gesendet werden.
Zusätzlich zu dem Termin am 16. April sind weitere Führungen am 14. Juni und 9. November um 15 Uhr sowie am 11. Mai, 20. Juli und 21. September um 11 Uhr geplant. Für Gruppen ab fünf Personen sind individuelle Buchungen möglich, wodurch ein breiteres Publikum an die reiche, aber auch tragische Geschichte des jüdischen Lebens in Schwerin herangeführt wird.
Die Wandlungen, die die jüdische Gemeinde Schwerin durchlaufen hat, spiegeln die allgemeine jüdische Geschichte in Deutschland wider, die durch Perioden der Integration und der massiven Verfolgung geprägt ist. Dies zeigt nicht nur die Resilienz der Gemeinschaft, sondern auch die Notwendigkeit, an diese vielfältige Geschichte zu erinnern und sie lebendig zu halten, um das Bewusstsein für die Herausforderungen und Errungenschaften des jüdischen Lebens in der Region zu schärfen.